Thomas heutigen Ruhetag möchte ich wie versprochen nutzen, um noch ein paar Worte zu seiner Vorbereitung zu schreiben:
Seine Kondition trainiert Thomas seit Dezember 2006 mit bis zu 20 Stunden pro Woche. Dieses Pensum hat er seit Februar kontinuierlich gesteigert. Dabei bewegte er sich im so genannten „tief intensiven Ausdauer Bereich“, also unterhalb der „anaeroben Schwelle“. Diese Schwelle wird bei einem sportmedizinischen Leistungstest bestimmt. So kann Thomas beim Training anhand seiner Herzfrequenz sehen, ob er sich im “richtigen” Bereich befindet. Wer sich genauer mit diesem Thema beschäftigen will, bei Wikipedia gibt’s ein paar gute Beiträge dazu.
Dieses Training bestand vor allem aus Skitouren und alpinen Klettertouren (Nordwänden) der Dreitausender des Alpenhauptkamms sowie aus langen Einheiten auf dem Fahrrad Ergometer. Alle vier bis sechs Wochen wurde das Training nach einem neuen Leistungstest angepasst und optimiert. Im Februar und März ging es dann an die Viertausender der Schweiz und des Montblanc.

Thomas an der Nordwand des Matterhorns
Seit Anfang April sind wir ja nun “live” dabei, während sich Thomas in Nepal akklimatisiert. Dafür absolviert er gerade ein 14-tägiges Trekking mit Gipfelbesteigungen bis 6.300 Meter. Dabei geht es auch darum, den Körper langsam aber sicher an die große Höhe zu gewöhnen.
Gabor hat den Vorgang in einem Kommentar sehr gut beschrieben: “Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck kontinuierlich, allerdings kann sich der Körper bis zu einer Höhe von ~6.000m darauf mehr oder minder einstellen. Hoch steigen und tief schlafen lautet die Devise. Der Körper merkt sich die Sauerstoffarmut und reagiert dann zeitversetzt darauf und ist beim nächsten Anstieg dann besser präpariert.”
Laut der neuesten höhenmedizinischen Forschung liegt diese Zeitverzögerung bei fünf bis sieben Tagen. Dann hat sich der Körper an die vorher erreichte Höhe adaptiert und man kann in dieser Höhe schlafen bzw. am nächsten Tag weiter aufsteigen. Dies gilt vor allem für sehr große Höhen ab 5.500 Meter. Während dessen wird im Körper der Anteil der roten Blutkörperchen erhöht, so dass der Körper mehr Sauerstoff aufnehmen, verwerten und effektiver einsetzen kann.
Am 25. April geht’s dann ins tibetische Basislager - China, 5.200 Meter, Rongbuk Gletscher. Dort wird er eine Woche mit seinen französischen Freunden am Nord-Normalweg verbringen, den er bis 7.500 Meter erkunden will (das ist ja zugleich sein Abstiegsweg).
Dann wird er unter „seine“ Wand gehen und diese bis ca. 8.000 Meter Höhe erkunden (rund 20 Kilometer Anmarsch über einen Gletscher). An einem höchsten, sicheren Punkt wird er ein Notlager aufstellen. Im Beitrag “Der Berg und die Route” steht ja alles über diese unglaubliche Herausforderung.
Die Gipfelbesteigung ist zwischen Mitte Mai und Anfang Juni, also vor Einbruch des Monsuns, geplant und hängt natürlich von der Wetterlage vor Ort ab. Morgen geht es erstmal sieben Stunden über einen Pass, den Thorung La, auf 5.416 Meter. Laut Karte “the Worlds highest pass” – ich bin schon gespannt auf die nächsten Bilder und Eindrücke – nach so viel Theorie!

Hat Thomas 2 Permits für den Everest bekommen, da er ja von der Süd- als auch z.T. von der Nordseite auf den Berg steigt? Wie stellt er sich auf den kommerziellen Alpinismus mit überfüllten Basislagern usw. ein? Auf seiner Anstiegsroute wird er ja dann schätzungsweise alleine aufsteigen. Wie klappt die Versorgung mit Nahrungsmitteln?
Wünsche Thomas weiterhin eine erfolgreiche Aufbauphase und v. a. beste Bedingungen am Berg!
Das klingt nach einer sehr klug durchdachten, aber auch sehr anstrengenden Vorbereitung – der Everest scheint Thomas sehr wichtig zu sein. Was treibt ihn an? Was bedeutet ihm diese Expedition? Vielleicht schreibt er uns dazu etwas. Beste Grüße, weiterhin alles Gute!
@Gabor: Habe Deine Fragen schon an Thomas gemailt. Da er ja heute auf der siebenstündigen Tour ist schätze ich, dass er gegen vier Uhr nachmittags – unserer Zeit – wieder am Computer sitzen kann. Sobald ich etwas höre oder lese, stell’ ich es online…!
Hoffentlich erwischt er mich nicht wieder im Auto oder beim Einkaufen… ich musste letztes Mal an der Kasse schon meinen Kassenzettel für die Notizen verwenden. Die “.. also, wieso kann das denn jetzt nicht warten junge Frau!”-Blicke der übrigen Einkäufer waren köstlich…
@Ilona: Und in meiner nächsten Email waren dann Ihre Fragen auch mit dabei. So dass er alle Fragen auf einmal bekommen sollte. Wie gesagt, sobald ich etwas von Thomas höre, stelle ich die Antworten umgehend online! Die Infos von Gerfried – Akklimatisierung, wie lange und warum – habt ihr schon gesehen, oder?
@Gabor:
So – endlich Antworten von Thomas. Da der Anfang seines Emails zerstückelt angekommen ist, schau’ doch einfach noch mal unter “Der Berg und die geplante Route” nach den Details zum Aufstieg.
Thomas schreibt am 18.4. um 05:11 Uhr
“Mein Abstieg wird über den Nord- Normalweg führen. Auf die Südseite werde ich auf keinen Fall kommen.
Für die Nordwand habe ich keine spezielle Genehmigung, die sei angeblich nicht nötig, und man muss das Geld ja nicht zum Fenster hinaus werfen. Außerdem sind die Verhältnisse in der Nordwand für die Besteigung an einem Tag der direkten Nordwand entscheidend. Diesbezüglich kann ich erst vor Ort eine endgültige Entscheidung fällen.
Wenn die direkte Nordwand nicht möglich ist, möchte ich in der Nähe des Nordgrates eine Erstbesteigung versuchen und in jedem Fall ohne Flaschen-Sauerstoff und an einem Tag zum Gipfel.
Was die kommerziellen Expeditionen anbelangt, so wird es das erste Mal sein, dass ich so etwas erlebe. Ich habe vor, die Berührungspunkte auf einem Minimum zu halten…
Für die Besteigung habe ich spezielle, teils flüssige Nahrungsmittel der Firma Fresenius Kabi dabei.”
@Ilona:
Thomas antwortet auf Ihre Frage am 18.4. um 05:13 Uhr:
“Natürlich ist die Vorbereitung, das Training aber auch das derzeitige Akklimatisieren, anstrengend. Wir haben in Österreich einen Spruch: Von nichts kommt nichts und von wenig nicht viel. Ich bin auf dieser Welt um mein Potential auszuleben, und nicht, um mit 60, 70% durchs Leben zu gehen.
Der Everest bedeutet mir zurzeit alles, wenngleich es nicht um den Gipfel geht in erster Linie sondern darum, an jedem Tag, zu jeder Stunde, so gut zu sein wie nur möglich, jeden einzelnen Schritt bis zum eventuellen Gipfel so intensiv und achtsam wie möglich zu machen, und sich an möglichst jedem Augenblick zu FREUEN (wenn es natürlich Augenblicke gibt, da einem die Freude vergeht).
In jedem Fall wird diese Expedition kein Endpunkt sondern ein Ausgangspunkt sein. Denn selbst wenn ich den Gipfel erreiche wird es nachher andere Berge geben.
Gruß, Thomas”
Hallo Thomas!
Viele Grüsse von der Bäckerei!
Wir verfolgen gespannt dein Vorhaben!
Hoffentlich geht alles gut.
Freuen uns wenn Du wieder heil zurück nach Goldegg kommst!
Berg Heil!
Fehlen Dir die Handsemmel?
Also ich hab die Grüße direkt an Thomas gemailt heute Früh. Aber bitte schön für uns Unwissende, was sind eigentlich Handsemmeln?
Ich weiss, wir Österreicher..aber jetzt rat mal Andrea…
Also Handsemmel
- weil sie in eine Hand passen?
- weil man sie ins Handgepäck mitnehmen darf?
- oder weil sie einzeln, liebevoll von Hand gefertigt werden?
Ist ja nicht so, dass ich keine österreichischen Freunde habe…!
Hallo Irene,
das freut mich aber, von Dir zu hören. Ja, die Handsemmeln fehlen mir schon immer wieder…
Aber ich habe eigentlich ganz andere Sorgen hier im Angesicht des höchsten Berges der Welt!
Liebe Grüße, Thomas