Gute Neuigkeiten! Thomas fühlt sich wieder richtig gut und ist dabei, “seine” Route auszukundschaften:
“Mein inneres Blatt hat sich wieder einmal gewendet, heute war ich fit und bin es noch immer. Sherpa Nima und ich sind eineinhalb Stunden den Rongbuk Gletscher (auf der Moräne) zurück gegangen und haben den Weg für die Yaks zu unserem Basislager ABC (an der Nordwand) ausgekundschaftet.
Du weißt bereits, dass es hier vor allem ein Hauptbasislager auf 5.200m gibt – von dort stammen auch die bisherigen Fotos. Dann gibt es ein großes ABC (Advanced Base Camp) auf 6.400m für den Normalweg. Dort sind ALLE ca. 300-400 Alpinisten und deren Sherpas (von meinen sechs Franzosen hat jeder einen Personal High Altitude Sherpa, das ist üblich).

Thomas erkundet den Weg in sein ABC
MEIN ABC wird auf ca. 6.200m liegen (die Wand dort ist 2.600m hoch) und liegt ganz hinten im Tal auf dem Rongbuk Gletscher. Dorthin verirrt sich nur selten jemand. Diese Wand wurde ja letztes Mal bekanntlich 1991 geschafft, und von vielen, späteren Versuchen ist nichts bekannt. Daher gibt es auch keinen fein ausgetretenen Weg, so dass wir heute einen ausgekundschaftet haben. Eine Stunde lang verläuft er gleich wie der ABC-Normalweg Anstieg, dann quert dieser nach links vom Gletscher weg und wir bleiben mehr oder weniger direkt daneben.
Das Wetter am Berg ist äußerst unfreundlich, sehr stürmisch, auch hier im Tal. Ich habe heute jede Menge sehr bedenklicher Wolken beobachtet, so dass es vom Wetter abhängt, ob wir morgen zu unserem ABC zurück gehen. Sonst bin ich guter Dinge, Sherpa und Koch (der immer hier im Basecamp bleibt, falls einer von den Franzosen absteigt) sind es auch, wie Du siehst.

Sherpa Nima (rechts) und der Koch Tula haben’s lustig
Bin jetzt auch soweit in Schuss, und konnte am Nachmittag eine Stunde Yoga-Pilates im Zelt machen. Es ist für viele Übungen groß genug. Braucht halt alles seine Zeit, und ich musste wohl auch die Unruhe des Trekking, dann zwei Tage Kathmandu Hitze und viel zu erledigen, dann die sehr anstrengende zweitägige Fahrt hier herauf verdauen.
Und überhaupt: geduscht habe ich auch! Das ist ein Erlebnis vor dem Everest und sieht so aus: zuerst sagt man dem Koch, dass man duschen will wegen dem warmen Wasser. Es gibt da ein steiles kleines Zelt in dem man stehen kann, den Boden hat Koch Tula sehr schön und eben mit Steinen ausgelegt. An einer Stange hängt ein 20-Liter Sack mit einem kleinen Schlauch mit einem Duschkopf. Wenn man leicht an dem Duschkopf zieht, rinnt Wasser. Es ist zwar auf Bauchhöhe, aber es klappt, man wird herrlich sauber, und braucht keine 20 Liter dazu (vielleicht nur ich, weil ich beim Haare waschen so gut wie kein Wasser brauche…). Da hättest Du sicher gern ein Foto davon? (Ja klar Thomas – und wenn möglich auch gleich noch von den Yoga-Pilates-Übungen!) Vielleicht ein anderes Mal.
Wenn ich mich morgen per Mail nicht melde, dann bin ich im ABC und werde anrufen. Hoffe, dass ich von dort Empfang habe mit dem Handy, da ich direkt unter der 2.600m hohen Nordwand bin. Es kann sein, dass wir bis zu vier Nächte dort verbringen werden.
Gruss, Thomas”
