Bewegte Bilder vom Everest
25. Mai 2006. Treffen mit unserem Everest Abenteurer in München. Thomas Bubendorfer sieht prächtig aus. Braungebrannt ist er und wirkt frisch und gut erholt. Aber auf unsere Frage, wie’s denn “im Urlaub” war, lächelt er etwas müde. Diese Frage sei ihm in der letzten Woche mehrfach gestellt worden. Freunde und Familie - vor allem natürlich Frau und Kinder - haben sich sehr über seine Rückkehr gefreut.
Er hat uns drei Stunden Filmmaterial mitgebracht, auf Video-Tapes. Daraus sind nun ein paar kurze und schlicht aneinander gereihte Filmchen entstanden, die ich heute endlich live stellen kann. Bitte erwartet keine filmischen Highlights - es sind ganz einfach die oftmals wackeligen aber dafür auch sehr authentischen Bilder, die Thomas selbst von seinem Abenteuer mitgebracht hat. Die Filme sind chronologisch sortiert und jeweils mit einer kleinen Inhaltsangabe versehen. Ab und zu sieht und hört man auch Thomas, wie er sich selbst filmt oder von Sherpa Nima aufgenommen wird.
Bei unserem Gespräch in München hat er sich aber auch Euren und unseren Fragen gestellt: Natürlich wäre es für ihn sehr viel schöner gewesen, wenn sein Vorhaben geglückt wäre. Auf der anderen Seite sagt Thomas, dass es ihm persönlich sehr viel mehr bringt, an etwas neuem zu Scheitern, als einen bereits ausgetretenen Weg zu gehen.
Den Vorwurf mangelnder Vorbereitung mag er so nicht gelten lassen. Körperlich in Topform, hat ihm vor allem die Wetterlage einen Strich durch die Rechnung gemacht, sagt er. Natürlich muss man am Everest immer mit Schneefall und Stürmen rechnen - aber wenn man die Bilder aus den letzten Jahren mit den aktuellen Bildern “seiner” Wand vergleicht, ist erkennbar, dass die Verhältnisse um einiges winterlicher und unberechenbarer waren, als um diese Jahreszeit “üblich”.
Thomas erzählt, dass er seine Angst und die Gedanken, während den verschiedenen Kletter-Versuchen in seiner Wand, nur schwer kontrollieren konnte. “Du hängst an Deinen beiden Eispickeln und hoffst ständig, dass Dir keine Lawine entgegenkommt. Wenn jetzt was kommt, dann ist es einfach aus. Selbst wenn Du irgendwie weich im Schnee landest, dann haut’s Dir die angeseilten Pickel um die Ohren. Und mit einem Loch im Bauch auf die Yaks warten, die Dich dann irgendwann den Berg hinunterschaffen, ist einfach keine schöne Vorstellung.”
Völlig offen spricht er aber darüber, dass er die Langeweile unterschätzt hat. Das war für ihn das schlimmste. Das Warten in den Camps, das Hoffen auf besseres Wetter. Die eintönigen, langatmigen und kilometerlangen Anmärsche durch öde Steinwüsten hätten ihn fertig gemacht. Da hätte er auch immer wieder mit seiner Motivation kämpfen müssen. Auch beim Anblick der streng durchorganisierten Touristen-Touren auf den Everest hätte sich sein alpines Herz zusammengekrampft.
Ein Zelt neben dem anderen, abends gab’s Essen im “dinner tent”, in den Zelten waren die Sauerstoff-Flaschen für die “Bergsteiger” schon von den Sherpas vorbereitet. (Sieht man auch in einem der Filme.) Zelt an Zelt stehen die großen und kleinen Expeditionen in den Lagern - von Bergidylle keine Spur.
Sobald er jedoch mit seinem Sherpa Nima alleine unterwegs war, neue Wege erkunden musste und dann endlich auch klettern konnte, ging es ihm gut. Da kamen Pioniergefühle auf, da wurde er vor Herausforderungen gestellt, die eine Expedition für Thomas überhaupt erst interessant machen. Daher hat sich für ihn auch nie die Frage gestellt, auf dem Normalweg aufzusteigen. Im Rudel mit den “Bergtouristen” über eine von oben bis unten mit Fixseilen gesicherte, in Fachkreisen als durchaus “einfach” bezeichnete, Route aufzusteigen, das hätte ihn zutiefst demotiviert, sagt er. Diese Fixseile mitsamt den vielen, vielen Bergsteigern, sind auch in einem von Thomas Filmen gut zu sehen.
Welche Erlebnisse ihn besonders beeindruckt haben, wollen wir wissen: Da spricht er vom ersten Blick auf den Everest. Ein unglaubliches Erlebnis. Ebenso wie das erste Mal mitten durch die Eistürme der Eiswüste zu wandern. Beides hat er auch in seinen Filmen ganz gut festgehalten. Das Trekking in Nepal empfand Thomas auch als sehr bereichernde Erfahrung und - auch für Nicht-Profis - absolut empfehlenswert.
Seine Erfahrungen will er tatsächlich in einem Buch verarbeiten, in dem er aber auch über andere Expeditionen berichten will. Er bastelt bereits an seiner nächsten Tour - ein paar Siebentausender in Tibet haben es ihm angetan. Einer davon wurde bisher erst zweimal bestiegen, sieht “wunderschön” aus und liegt ungefähr 500 km von Lhasa entfernt.
Sein Fazit: Er kann gut mit diesem Ausgang der Expedition leben. Für ihn gibt es kein Scheitern in dem Sinne, immer nur Ausgangspunkte für neue Herausforderungen. Und deshalb hat er auch schon wieder mit dem Training begonnen - mit der Vision der neuen Expedition im Kopf.
Für alle Sport- oder Thomas Bubendorfer-Fans sei abschließend noch gesagt, wir basteln gerade an einer PAYBACK-Special-Prämie, an der Thomas live beteiligt sein wird. Sobald wir die Details wissen - werden wir sie auch hier im Blog vorstellen.
Jetzt aber viel Spaß bei den bewegten Bildern von Thomas Abenteuern in Nepal und Tibet:
1. Film:
Ankunft bei Wind und Schneesturm im Base Camp. Eindrücke vom Base Camp. Tolle Bilder vom Everest. Thomas packt mit Nima seine Versorgungstonne aus…
2. Film:
Die Packtiere “Yaks” im Einsatz. Einblicke ins Küchenzelt der Sherpas. Aufbruch zur “eigenen” Wand. Suche nach Wasser - und dem Nachtlager. Sherpa Nima erzählt über den geplanten, nächsten Bergtag.
3. Film:
Eingeschneit - kein Aufbruch möglich. Thomas marschiert durch den Schnee und filmt sich selbst am 28. April. Die Kälte sei unerträglich. Dann zurück im Basislager. Thomas macht sich auf in Richtung Eistürme. Thomas trainiert an der Eiswand: “Und des in my old age..”
4. Film:
Einblicke und Marschieren in Eis und Schnee. Starker Verkehr an den Fixseilen des Normalwegs. Thomas erreicht das ABC (Advanced Base Camp) und muss ordentlich schnaufen. Eine Gletscherspalte wird überstiegen. Heimlicher Blick in ein Zelt der chinesischen Reisegruppe. Mit der obligatorischen Sauerstoff-Flasche.
5. Film:
10. Mai. Gewaltige Höhenstürme. Thomas klagt über die Bedingungen und den Anmarsch. “Steine, Steine, Steine.. haatschen, haatschen, haatschen.” Letzter Anmarsch an die Wand - keine Chance für die geplante Besteigung.


