Thomas Bubendorfer wird heute 45 Jahre alt. Da schicken wir ihm natürlich unsere allerherzlichsten Glückwünsche ins zugige Himalaya. Vor allem wünschen wir Dir,  dass Du gesund und munter wieder kommst! Hoffentlich freut er sich über unseren kleinen kulinarischen Gruß. Für einen “g’scheiten” Österreicher - natürlich eine Sachertorte.

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Am Samstag habe ich übrigens noch lange mit Thomas telefoniert. Da die Wetterverhältnisse insgesamt einfach zu schlecht sind – und vor allem zu ungewiss – überlegt Thomas inzwischen, seine Routenplanung zu ändern. Was ich persönlich sehr vernünftig finde, schließlich geht seine Gesundheit vor. Er hat in den letzten Tagen beim Versuch, in “seine” Route einzusteigen gemerkt, dass die Herausforderung noch viel größer ist, als er sich das vorgestellt hat. Beim direkten Anblick der Wände spricht er von “brutal”. Zumal das Wetter für diese Jahreszeit einfach zu schlecht ist. Unvorhersehbar, sehr windig und zu viel Schnee. Und gerade der Schnee in den Wänden bedeutet für Thomas das größte Risiko.

Er hat mir das so erklärt, wenn er im Alpinstil – also ohne Fixseile – unterwegs ist, dann ist er mit Pickel und Steigeisen gerade mal einen halben Zentimeter tief in der Wand  – beziehungsweise im Eis. Und da genügt schon eine Mini-Lawine, ihn einfach “herunterzuputzen”. Wie er es so schön ausgedrückt hat. Man sieht auch von unten, dass regelmäßig kleine und größere Lawinen abgehen, die wiederum Rinnen auf der blanken Eisschicht bilden. Diese Rinnen kann er natürlich grundsätzlich gut zum Klettern nutzen – die nächste Lawine aber ebenso…

Ergo könnte es also passieren, dass er den Supercouloir zugunsten seiner Sicherheit aufgibt. Dafür will er auf jeden Fall die Erstbesteigung angehen. Wir werden in den nächsten Tagen sehen, wie er sich entscheidet. Auf jeden Fall wird er nun nicht mehr ins BC (Base Camp) absteigen. Das kostet ihn jedes Mal eine zu große Menge Kraft, sagt er. Zumal er sich körperlich sehr gut fühlt und sich inzwischen völlig akklimatisiert hat. Aber er hat seinen Sherpa Nima gestern ins BC geschickt, um seinen Laptop herauf zu bringen. Denn wir wollen zumindest versuchen, die letzten Bilder und eventuell auch kleine Filme von seiner schlussendlichen Route online zu stellen.

Kurz vor dem Höhepunkt seiner Expedition droht also doch ein “kleiner” Rückschlag – vielleicht bekommt er zu seinem heutigen Ehrentag endlich auch ein bißchen Glück – und besseres Wetter geschickt! Wir drücken die Daumen!

Es ist zum verrückt werden. Gestern – also am Freitag, den 11. Mai, musste Thomas seine Erstbesteigung wegen Schneefalls abbrechen. Und heute Nacht – also um fünf Uhr morgens Everest-Zeit – das gleiche Dilemma. Schneefall. Der größte Feind des Kletterers. Vor allem, wenn man im Alpin-Stil – also ohne Fixseile unterwegs ist.

Dabei war die Aussicht auf Wetterbesserung gestern gar nicht so schlecht. Und so klang Thomas Anruf trotz allem Frust – und nach einer erfrischen-den Dusche – am Ende eigentlich ganz optimistisch. Auch wenn er bei diesen Rückschlägen seine Motivation immer wieder in Frage stellt. Immerhin gibt es einen kulinarischen Lichtblick, ein paar gastfreundlichen Eidgenossen sei Dank:

Thomas Bubendorfer am Freitag, 11. Mai – 12.56 Uhr

[audio:http://www.paybackblog.de/wp-content/uploads/2007/05/thomas-anruf-110507.mp3]

Heute folgt auf die Hoffnung dann die Ernüchterung. Es wird wieder nichts mit dem Erstbestieg. Thomas wollte diese Tour filmen, sein Sherpa Nima auf dem Normalweg aufsteigen, und ihn auf siebentausend Metern Höhe wieder treffen. Schöner Plan – nur leider war das Risiko eines Lawinenabgangs einfach zu groß:

Thomas am Samtag, 12. Mai – 0.51 Uhr

[audio:http://www.paybackblog.de/wp-content/uploads/2007/05/thomas-anruf-120507.mp3]

Ich hoffe, Thomas meldet sich später noch einmal telefonisch. Ich glaube, er kann jetzt dringend ein paar aufmunternde Worte gebrauchen. Zumal er übermorgen – also am 14. Mai – seinen 45. Geburtstag feiert! Über ein paar Glückwünsche an diesem Tag freut er sich bestimmt.

Die Wetterverhältnisse haben verhindert, dass Thomas morgen die geplante Erstbesteigung angehen kann. Schon wieder! So übt er sich in seiner Lieblingsdisziplin: Geduld. Was ihm – wie er selbst zugibt – so gar nicht schmeckt.

Außerdem hat er sich beschwert, dass ich seit ein paar Tagen nicht mehr ans Telefon gehe. Grund: Wenn ich seine Anrufe einigermaßen rückkopplungsfrei mitschneiden will, dann muss er mir auf meinen Anrufbeantworter sprechen. Das weiß er natürlich auch. Morgen oder übermorgen will ich aber wieder einmal persönlich mit ihm sprechen und schreibe Euch dann, was er erzählt hat.

Heute aber noch mal Thomas live und ungeduldig aus dem ABC,  mit spannenden Wind- und einer – im wahrsten Sinne des Wortes – heißen Zelt-Geschichte.

[audio:http://www.paybackblog.de/wp-content/uploads/2007/05/thomas-anruf-100507.mp3]

Thomas ist seit heute wieder im ABC (Advanced Base Camp) auf 6.400 Meter. Und damit ohne Zugang zum Rechner. Dafür hat er gerade angerufen und erzählt, dass er sich vielleicht ein bisschen zuviel zugemutet hat mit dem Aufstieg vom BC ins ABC – an nur einem Tag. Üblicherweise wird diese Tour – 1.200 Höhenmeter (!) – auf zwei oder drei Tage aufgeteilt. Aber hört selbst:

[audio:http://www.paybackblog.de/wp-content/uploads/2007/05/thomas-anruf-090507.mp3]

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Thomas, vor seinem Aufstieg, im Base Camp. “Gemütlich” ist anders…

Die gute Nachricht – es geht ihm trotz der gestrigen Anstrengung schon wieder besser. Und er freut sich auf seinen “regenerativen” Erholungstag morgen.

Wie hat Thomas gestern so schön geschrieben: auf einen schlechten Tag folgt immer auch ein guter. Jetzt war es wieder einmal umgekehrt:

“Hallo Andrea,
gestern bin ich von Shekkar ins BC zurück. Kein guter Tag. Er fing zwar gut an, da ich morgens von zwei netten deutschen Unternehmens- beratern, die auf  Tibet Reise waren, mitgenommen wurde, bis sich plötzlich der Fahrer weigerte, mich weiter mit zu nehmen. Keiner weiß warum.

Also zurück ins Hotel. Dann dauerte es weitere 8 Stunden, bis ich eine Gelegenheit fand, über einen 5000m hohen Pass die äußerst anstrengenden 3,5 Stunden auf brutaler  Schotterstraße ins BC zu kommen.

Heute ist sehr starker  Wind und ich bin vor allem wegen des mühsamen gestrigen Tages, der so gar kein Rasttag war, im BC geblieben, habe gepackt und werde morgen hoch gehen und BIS 15.Mai via Internet NICHT zu erreichen sein.”

In der Zwischenzeit werde ich natürlich versuchen, möglichst oft mit Thomas zu telefonieren – und seine Anrufe online zu stellen. Thomas schreibt weiter:

“Ach ja: ganz ganz schlaue amerikanische Bergsteiger hier haben FREE TIBET Fahnen gehisst -  in unmittelbarer Nähe von 250 Soldaten. SEHR große Aufregung, angeblich ist es das Thema aller Titelseiten hier. Die Amerikaner dürfen nun anscheinend nicht auf den Gipfel, und werden ausgewiesen. Für die anderen Ausländer ist das Reisen nun noch mühsamer geworden, weil es sowieso überall Kontrollen gibt. Gruss, Thomas”

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Thomas beim Training in 5000m Höhe!

Nach einigen Tagen Computer-Abstinenz im ABC (Advanced Base Camp), hat Thomas am Sonntag (6. Mai) wieder viele Bilder, Eindrücke und Antworten geschickt.

1. Motivation
Sehr gute Frage. (Von Nina und Ilona) Wenn’s mir nicht gut geht leide ich (natürlich still) vor mich hin. Tatsächlich ist das Klettern selbst die geringste Übung. Weil wenn ich klettere, dann bin ich eh fit und alles läuft.

Ich habe aber wieder einmal vor Augen geführt bekommen an diesem Berg und in diesen Wochen, dass auf einen schlechten Tag immer wieder ein guter folgt (“immer wenn Du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her”). An schlechten Tagen sage ich mir auch immer wieder, Du hast Dir das selbst ausgesucht, es ist Dein Leben, Du willst kein anderes, auch wenn es (natürlich) nicht immer nicht leicht ist und sein kann und sein soll.

2. Payback Trip in die Karibik!
Finde ich ganz toll die Idee (von Sascha), hätte von mir sein können. Bitte nach Gipfelsieg unbedingt an Herrn Schrack und Herrn Rittweger weiter leiten!

Sehr wichtig ist für Thomas auch der Kontakt zu Gerfried: 

“Der Gerfried ist super, baut mich in den entscheidenden Momenten immer wieder auf. Ich hatte gerade in den ersten vier Tagen im ABC große Probleme, weil ich mich wie beim Training zu Hause immer wieder am Puls orientiert hatte und einfach nicht verstehen konnte, dass der beim Steigen in über 6.500 m gleich einmal auf 130 ist oder so… Das Pulsgerät lasse ich jetzt am Berg über dem ABC aber weg!”

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Shekkar – ein kleiner Ort auf 4.200 Meter

Thomas ist übrigens seit Samstag in Shekkar – und nicht im Basislager. Wegen der besseren Regenerierung, hat er mir erklärt. In seinem gestrigen Email schreibt er weiter:

“Da heute Sonntag ist habe ich mich gestern nicht so beeilt mit dem Mailen, und dann gab es Abends keinen Strom hier in Shekkar, 4.200m…Ich bin zum Regenerieren hier, herrlich ist es, in einem Bett zu schlafen in einem 4m hohen Raum (sehr bescheiden alles für europäische Verhältnisse, Strom und Wasser nur bis 8.30 morgens und ab 17.30). Das baut richtig auf.

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Thomas vor seinem “richtigen” Bett in Shekkar

Ich soll mich regenerativ bewegen, das heißt, Puls bis 110/Minute (bin auf 4.200m). Auf der ebenen Straße komme ich nur im Laufschritt auf diesen Puls, im Gehen bleibt der meist unter 100! Das ist ein gutes Zeichen für meinen Form.

Eine Nacht bleibe ich noch hier, morgen (also am 7.5.) geht es ins Base Camp zurück, übermorgen in einem Zug ins ABC. Darauf folgt ein Rasttag oben im ABC und DANN hoffentlich die Erstbesteigung! Dann werde ich sehen, wie das Steigen im unverspurten Gelände klappt, wie schnell ich bin, etc. Ich muss alles wirklich Schritt für Schritt nehmen, wenig lässt sich richtig berechnen bzw. vorhersagen.

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Straßen-Szene in Shekkar

Die Fotos im Anhang zeigen den SEHR langen Anmarsch: 24 km, vom BC (5.200m) bis ABC (6.400m). Den haben wir beim ersten Mal in zwei Tagen mit Zwischenlager in 5.800m gemacht, wo ich an den Eistürmen herum gestiegen bin (Training in 5.800m).

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Auf dem Weg ins ABC

Übermorgen bzw. in drei Tagen mache ich den Weg aber erstens ohne Klettern und zweitens an einem Tag. Auch hier im Hotelzimmer ist es kalt, ich tippe hier mit Haube und dicker Jacke…Gruss, Thomas”

Endlich wieder gute Neuigkeiten von Thomas. Trotz der immer noch klirrenden Kälte geht’s ihm inzwischen wieder besser. Er tat sich einfach schwer, seine Situation und die aktuelle Leistungsstärke richtig einzuordnen. So hat er kurzerhand Gerfried angerufen und ihn auch gleich noch mal genau nach “seiner” Route gefragt.

Gerfried schreibt: “Hallo Andrea! Ja, ich hab’ gestern und heute mit Thomas telefoniert. Jetzt sieht es schon viel besser aus mit ihm. Vor allem sein gestriger Vorstoß aufs Northcol (ca. 7050m) war immens wichtig für die Akklimatisation, aber auch für sein Selbstvertrauen.
Er wird nach einer kurzen Erholungspause im BC (Base Camp)  wieder ins ABC aufsteigen und dann “meine” Route versuchen. Leider konnte ich sie vor zwei Jahren wegen des anhaltend schlechten Wetters nicht machen.

Die Route sieht so aus: Deutlich links der Normalroute zieht sich von 6600m ein feines felsdurchsetztes Couloir durch die Nordwand, diese Route vereint sich mit dem Normalweg auf 7600m. Dieses Couloir wurde noch nie versucht und ist sicher sehr anspruchsvoll. Es ist wohl eine der letzten Möglichkeiten, sich auf dem Everest zu “verewigen”. Eine Neuroute auf einen Berg zu machen, davon träumt jeder Alpinist. Dies auf dem Everest zu schaffen, wäre eine ganz besondere Sache!! Liebe Grüße, Gerfried.”

Das hört sich sehr spannend an. Morgen wird Thomas also auch wieder (kurz) bei seinem Rechner sein – und hat uns viele, neue und eindrucksvolle Bilder versprochen. Aber, hört selbst:

[audio:http://www.paybackblog.de/wp-content/uploads/2007/05/thomas-anruf-040507.mp3]

Für einen ersten Test hört sich das doch schon ganz gut an, oder? Damit sind wir jetzt auch für die Anrufe vom Gipfel gerüstet!

Also es ist schon ein Graus mit dem Wetter. In der Nacht die eisige Kälte und sobald die Sonne scheint – wird es brütend heiß. Thomas meint, diese Hitze kann er nicht in Grad angeben. Sie ist einfach nur unglaublich heiß. Innerhalb kürzester Zeit wird der Körper Schach matt gesetzt.

Ein Beispiel: Als er gestern versucht hat, seine Steigeisen anzuziehen, hat er dafür eine halbe Stunde (!) gebraucht. Er konnte sich kaum mehr rühren. “Die Bergsteiger, die in meiner Sichtweite auf dem Normalweg unterwegs waren, hingen in den Seilen wie tote Fliegen”, zieht Thomas einen sehr bildhaften Vergleich.

Diese extremen Temperaturunterschiede sind für den Körper natürlich eine zusätzliche Belastung. In der Früh muss man sich eine halbe Stunde selbst überreden, um aus seinem Schlafsack zu kriechen. Weil es so saukalt ist. Und am Mittag, wenn die Sonne scheint, herrscht dann diese unmenschliche Hitze.

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Wie versprochen: Thomas geplante Route – an der Nordwestwand durch das “Supercouloir”

Er ist übrigens noch im allgemeinen ABC – “sein” ABC ist einfach noch zu weit oben, sagt er. Da hatte er sich einfach zu früh zu viel vorgenommen. Dieses “allgemeine” Advanced Base Camp muss man sich an einem relativ steilen Hang vorstellen, in dem rund 32 Expeditionen untergebracht sind. Alles in allem – mit Sherpas und Teams – sind rund 250 – 300 Leute im ABC, sagt Thomas. Man geht rund eine halbe Stunde bis man das Ende der Zeltstadt erreicht hat. Allerdings ganz gemächlich, da es wohl recht steil ist. 

Den nächsten Anruf von Thomas versuche ich dann auch aufzunehmen und hier einzuspielen… Es bleibt spannend!