
Das karge Basislager – Everest Nord
Gestern Abend kam die mit Spannung erwartete Nachricht von Thomas aus dem Basislager. Hier seine ersten Eindrücke, Gefühle, Bilder und die Erkenntnis, dass er sich als “Weichei” fühlt. (Also da fällt einem doch nichts mehr ein..)
“Es waren zwei voll ausgefüllte Tage Samstag und gestern und irgendwie keine Chance Bilder zu schicken. Am Samstag hatte es geschüttet (Fahrt Kathmandu nach China, von 8 Uhr morgens bis 19 Uhr abends), wo ich im zweiten chinesischen Ort Nyalam, 3.800m, die tristeste Nacht meines Lebens verbracht habe. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie Zimmer und Bett dort ausgesehen haben. Gestern eine parforce Tour von Nyalam gleich bis ins Basislager.

Der Aufbruch aus Nepal – Flughafen Jomsom im Mustang Gebiet
Das ist normalerweise eine Tour, die man in vier Tagen macht. Da ich aber schon akklimatisiert bin, dachte ich, was man hat, das hat man, und wir hatten zwei Fahrer. Die Fahrt (insgesamt acht Stunden) war die ersten fünf Stunden sehr eindrucksvoll und ging über einen 5.200m hohen Pass: Lho La von wo aus man den niedrigsten Achttausender Shisha Pangma, 8.027m, sieht.

Eindrucksvoll: ein Siebentausender über Jomsom
Die letzten drei Stunden waren hart, es ging eine Abkürzung über Stock und Stein und Bäche, es hat mir gereicht, als wir gegen 16 Uhr im Angesicht des Everest im Basislager in 5.180m angekommen sind.
Hier habe ich alle meine französischen Partner/Expeditionsmitglieder getroffen bzw. kennen gelernt. Es ging mir gestern noch sehr gut, bin eine Stunde gleich herum gelaufen mit niedrigem Puls, aber geschlafen habe ich dann schlecht und heute ist mein Puls im Sitzen so hoch wie gestern beim schnellen Gehen…

Gebetsfahnen auf dem Lho La Pass
In der Nacht hatte es ca. -15 Grad, im Zelt sicher auch -5 Grad. Da war noch Wasser in einem Thermosbecher, heute Morgen ein Eisbrocken.
Seit zwei Monaten ist eine riesige chinesische Expedition vor Ort, 70 Alpinisten und 250 Support. Von den 70 sollen nicht alle auf den Gipfel, aber der Gipfel soll am 1. Mai (Tag der Arbeit und so) bestiegen werden.
Wir – also die Franzosen/Monegassen und ich – planen nicht vor dem 20. Mai auf dem Gipfel zu sein, denn es wird natürlich zum Monsun hin viel wärmer werden (hoffen wir, ist aber so wie bei uns im Frühling, es wird einfach insgesamt wärmer).

Die große chinesische Expedition im Basecamp vor dem Everest
Es sind ca. 30 Expeditionen insgesamt hier an der Nordseite inklusive der Franzosen. ALLE gehen den Normalweg, ich bin der Einzige, der eine andere Route versucht, noch dazu allein und durch die Nordwand. An der Südseite sind auch mindestens 20 Expeditionen…

Thomas vor seinem Zelt im Basislager – und der Beweis: Payback ist mit dabei!
Weil es mir heute nicht so gut geht bin ich grantig und habe zu viel Zeit um Sehnsucht nach Frau und Kindern und auch ein schlechtes Gewissen zu haben, dass ich die so lang allein lasse. Wenn man noch zusammen ist, kann man sich selbst und der Familie leicht einreden, dass die acht Wochen schnell vergehen werden, und drei Wochen sind ja schon vergangen, aber noch einmal fünf Wochen ist halt lang, vor allem an Tagen wie heute.

Familien unterwegs im Grenzgebiet
Es ist alles einfach, wenn man unterwegs ist und sich auf etwas zu bewegt. Wenngleich ich natürlich weiß, dass auch Ruhen eine Art von Bewegung ist, so passt es doch nicht so ganz in die Psyche.
Zumal es Leute gibt, die nicht erst gestern angekommen sind und heute schon auf 6.400m aufsteigen und ich mit roten Augen und hohem Puls herumsitze, ich Weichei. Hoffentlich kommen die Bilder gut an, ich werde mich jetzt raus in den Wind setzen und die rübermailen. Gruss – Thomas”