Was geht in Thomas vor, wenn er alleine am Berg unterwegs ist? Welche Motivation treibt ihn an, diese höchst gefährlichen Besteigungen zu planen - und durchzuführen. Und -  kennt ein Profi wie er auch das Gefühl der Angst? 

München, Ende März 2007,  kurz vor seinem Abflug. Wir haben Thomas gefragt, warum er diese extreme Form der Übersteigung geplant hat.  Er erklärt uns,  dass er nicht aus Rekordsucht an einem Tag durch das Supercouloir klettern will. Im Gegenteil: Er ist davon überzeugt, dass das die sicherste Methode ist: je kürzer man sich in großer Höhe aufhält, desto geringer ist die Gefahr von Höhenödemen, Erfrierungen, Konzentrationsschwächen und so weiter.

Dieser Stil  setzt allerdings eine besonders gründliche Vorbereitung und Fitness voraus. Ganz abgesehen von der Fähigkeit, schnell und sicher in tückischem Gelände zu klettern und einer enorm hohen psychischen Belastung standhalten zu können.

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Bei solch riskanten Aktionen muss jeder Schritt sitzenÂ

Eine solche Belastung ist für uns Berg-Amateure schwer nachvollziehbar. Und gerade hier stellt sich die Frage nach seinen Ängsten. Denkt er bei seinen riskanten Unternehmen an zu Hause, an seine Familie?

Thomas schreibt dazu am 19. April – nach seiner extrem anstrengenden Tour am Vortag:

“Ich habe sehr viele Ängste, stelle mir tausend Situationen vor, was nicht alles passieren könnte, und vor allem habe ich vor dem Scheitern Angst. Ich habe heute noch keine Ahnung wie ich reagieren würde, wenn ich merke, es geht nicht mehr. Die Kinder und meine Frau vermisse ich SEHR! Natürlich stehe ich in Kontakt mit denen, rufe alle drei bis vier Tage an. Außerdem schauen sie den Paybackblog.

Beim Klettern bin ich meist sehr ruhig, Adrenalin Schübe sind selten, und gerade der Umstand, dass ich gut Kraft habe in der Anstrengung, gibt mir dann noch mehr Kraft. Ich genieße es, zu leisten.”

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Thomas beim Eisklettern 

Am 18. April hat er auf die Frage von Ilona, was ihn antreibt und was ihm diese Expedition bedeutet, folgendes geantwortet:

“Natürlich ist die Vorbereitung, das Training aber auch das derzeitige Akklimatisieren, anstrengend. Wir haben in Österreich einen Spruch: Von nichts kommt nichts und von wenig nicht viel. Ich bin auf dieser Welt um mein Potential auszuleben, und nicht, um mit 60, 70% durchs Leben zu gehen.

Der Everest bedeutet mir zurzeit alles, wenngleich es nicht um den Gipfel geht in erster Linie sondern darum, an jedem Tag, zu jeder Stunde, so gut zu sein wie nur möglich, jeden einzelnen Schritt bis zum eventuellen Gipfel so intensiv und achtsam wie möglich zu machen, und sich an möglichst jedem Augenblick zu FREUEN (auch wenn es natürlich Augenblicke gibt, da einem die Freude vergeht).

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Der Everest – Objekt der Begierde

In jedem Fall wird diese Expedition kein Endpunkt sondern ein Ausgangspunkt sein. Denn selbst wenn ich den Gipfel erreiche wird es nachher andere Berge geben.”

 

Da habe ich mich mal schön bei der Ortsangabe der Bilder geirrt, gestern. Denn: nur der stolze Schlangenbeschwörer wurde in Kathmandu aufgenommen, wie Thomas mir heute geschrieben hat:

“Die anderen Menschen habe ich in Muktinath fotografiert. Dieser Ort, in dem wir vorgestern waren, ist ein sehr berühmter Pilgerort. Eine reiche, indische Familie wurde sogar mit dem Hubschrauber eingeflogen. Andere Pilger nehmen tage- ja sogar monatelange Fußmärsche auf sich, um dorthin zu gelangen. 

Muktinath liegt im Königreich Mustang, dessen nördlicher Teil offiziell gesperrt ist. Das linke Tal auf dem Foto führt dorthin. Heute bin ich noch in Kathmandu und morgen geht es dann Richtung Tibet. Viele Grüße, Thomas”

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Muktinath liegt auf einem Plateau in 3748m Höhe

Muktinath ist ein Ort, der sowohl von den Hindus als auch von den Buddhisten als eines der größten Heiligtümer angesehen wird. Die Hindus verehren das Wasser, das einer Wand mit über hundert Quellen entspringt. Sie nennen den Ort “Chumig Gyatsa”, was auf tibetisch soviel wie “hundert Quellen” bedeutet.

Die Buddhisten hingegen verehren eine heilige Flamme, die wohl über eine unterirdische Erdgasquelle gespeist wird. Sie nennen das Heiligtum “Mukti Kshetra” – wörtlich übersetzt “Platz der Erlösung”.

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Hindu-Tempel auf dem heiligen Gelände in Muktinath Chumig Gyatsa

Beide Religionen können in Muktinath ganz friedlich nebeneinander existieren. Für alle, die noch mehr über diesen heiligen Pilgerort wissen wollen – hier noch ein link. Die Infos sind zwar auf Englisch – aber eigentlich ganz gut zu verstehen.

Bilder: www.muktinath.org

 

Thomas hat ja gestern seine Trekking-Tour im Annapurna-Gebiet beendet und ist nun unterwegs in Richtung Everest Basislager. Dafür musste er heute in Kathmandu eine kurze Zwischenstation einlegen. Und die hat er genutzt, um ein paar tolle Bilder vom Leben in den Straßen der nepalischen Hauptstadt aufzunehmen. Außerdem hat er Bilder aus dem Pilgerort Muktinath mitgeschickt.

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Ein Schlangenbeschwörer – ich sag’s Euch, die sind alle echt!

Leider kämpft auch Kathmandu – wie viele Metropolen in Entwicklungsländern – mit enormen Umweltproblemen, die hauptsächlich durch die ständige Zunahme des Verkehrs entstehen. Da das Kathmandu-Tal von hohen Bergketten eingekesselt ist, wird das Problem der Luftverschmutzung noch verstärkt.  Auch die Situation bei der Abwasser- und Abfallbeseitigung ist besorgniserregend.  

Bei Interesse gibt es hier noch ausführlichere Informationen zur Lage der Bevölkerung in Nepal. Trotz schwieriger Lebensumstände begegnen die Menschen Nepals den Touristen meist freundlich und respektvoll - und tragen oft ein Lied oder ein Lächeln auf den Lippen.

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Großmütterchen mit Knoblauch – in den Straßen von Muktinath

Thomas schreibt:

“Bin heute Mittag in Kathmandu angekommen nach zwei Flügen in kleinen Propeller Flugzeugen. Endlich durfte man wieder einmal Flüssigkeiten in größeren Mengen als 150 Milliliter (Flasche Wasser) und auch ein Taschenmesser mitnehmen, ohne dass sich jemand darüber aufgeregt hat.

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Eine Weberin bei der Arbeit…

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… und die Männer beim Spiel

Hier in 1400 Meter ist natürlich für mich “dicke Luft” nach 5.800 Meter vor zwei Tagen. Aber das ist für die Regeneration gut, und übermorgen Früh geht es ja schon wieder in die Berge, hinauf in über 3000 Meter (über die nepalisch-tibetisch=chinesische Grenze).

Am Sonntag werden wir dann wieder für eine Weile in 5.700 Meter sein und auf 4.200 Meter schlafen (in Tingri). Am Montag dann endlich im Basislager Rongbuk am Everest… Außer einem Schnupfen seit neun Tagen bin ich völlig fit und auch schon ganz akklimatisiert.
Herzliche Grüße, Thomas”

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Ein Straßenmusikant mit einem Saiteninstrument – eine Sarod vielleicht (indisches Saiteninstrument)?

Die Musik ist sehr wichtig im Leben aller Nepalis. Es gibt tatsächlich über 100 verschiedene Musikinstrumente in Nepal! Davon werden viele vor allem zum Musizieren bei religiösen Anlässen verwendet. Das Instrument auf dem Foto sieht für mich aus, wie eine Sarod. Ein typisch indisches Instrument. Aber vielleicht kennt Ihr Euch da besser aus?

Zum Abschied von Nepal hier noch ein “letzter Blick” auf eine der eindrucksvollen Gipfelketten im Annapurna-Gebiet.

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Gangapurna und Annapurna IV – ungefähr 7.500 Meter

Dazu schreibt Thomas:

“Das ist eines der schönsten Bergbilder, die ich vorgestern Morgen am Weg zum Thorung La und dem anschließenden Training bis 5.800 Meter aufgenommen habe. Es war nach einem abendlichen Gewitter wunderschönes Wetter, aber sicher minus 10 Grad kalt. Die Berge heißen Gangapurna und Annapurna IV und sind mit ungefähr gleich hoch (ca. 7.500 Meter). Von den Annapurnas gibt es mindestens IV, die Nummer ist natürlich die höchste mit knapp über 8.000m.”

Bye bye Nepal, jetzt geht’s endlich Richtung Mount Everest!

Dienstag, 17. April 2007: Thomas hat eine höchst anstrengende Tour hinter sich gebracht, auf der er fast einen Sechstausender gemacht hätte. Nach tiefen elf Stunden Schlaf schreibt er uns heute ein äußerst zufriedenes Email – mit tollen Bildern: 

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Gebetsfahnen auf dem “biggest pass in the world”

“Liebe Andrea, liebe Leser des Payback-Blog!

Gestern war ein toller Tag: zuerst Aufstieg sehr steil zum “biggest pass in the world”, Thorung La, 5.400 Meter. Das waren 900 Höhenmeter. Hier kann man übrigens auch Yaks mieten, wenn man möchte. 

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Für den Fall der Fälle: Yaks am Thorung La  

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Ein gut gelaunter Yak-Treiber

Ich wollte mir dann noch schnell einen Sechstausender “stehlen” (für diesen hatte ich kein Permit), bin dann aber auf 5.800 Meter in tiefem Schnee stecken geblieben. Leider kannte ich den Weg nicht und habe auch dadurch viel Zeit verloren.

Mit Gegensteigungen (manchmal muss man irgendwo runter, dann wieder hoch) waren es gestern insgesamt 1.500 Höhenmeter, ohne Probleme, ohne Kopfweh (den Sherpa habe ich zwischenzeitlich auch zurück gehen lassen).

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Selbstporträt in 5.800 Meter Höhe – Die Anstrengung steht Thomas im Gesicht geschrieben

Abschließend waren es vom Pass noch 1.700 Höhenmeter ins Tal bis in 3.700 Meter, nach Muktinat. Für mich also mehr als 2.200 Höhemeter im Abstieg. Ich habe hier in dieser dicken Luft fast elf Stunden geschlafen! 

Heute geht es noch einmal gemütliche vier Stunden nach Jomosom, 2.800 Meter, und morgen früh um 7 Uhr, wenn es das Wetter zulässt, mit dem Flugzeug nach Kathmandu. Am 21.4. dann endlich zum Everest!

Gruss,
Thomas

Warum muss  sich Thomas eigentlich so lange akklimatisieren? Also warum kann er als gesunder, austrainierter Sportler nicht einfach ankommen und sofort den Everest erklimmen? Diese Frage hat uns in den letzten Kommentaren immer wieder beschäftigt. Unser Berg-Experte Gerfried hat uns dazu eine recht anschauliche Erklärung gemailt:

“Menschen aus unseren Breiten können nicht einfach so zu einem Achttausender reisen und ihn gleich auf Anhieb besteigen. Angenommen, ein durchtrainierter Ausdauersportler könnte per Hubschrauber auf den Gipfel des Mount Everest gebracht werden. Dann wäre er ohne Sauerstoff-Maske in wenigen Minuten bewusstlos – und in ungefähr einer Viertelstunde erstickt. Wir Menschen sind einfach nicht für große Höhen “gebaut”. Dauersiedlungen gibt es auf der Erde nur bis in circa 5.300 Meter Höhe. Würde man höher leben, würde sich der Körper langsam (über viele Wochen) bis zum sichern Tod abbauen.

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Unser Experte Gerfried – hier selbst auf Expedition

Die Akklimatisation ermöglicht es dem Körper, sich langsam an die große Höhe zu gewöhnen. Das heißt, dass er immer wieder einen Höhenreiz bekommt und er dann im Knochenmark die so wichtigen roten Blutkörperchen bilden kann (wie schon in mehreren Beiträgen beschrieben). So ausgestattet, kann der Mensch immer wieder neue Höhen erobern und mit einem zusätzlichen Reiz noch mehr rote Blutkörperchen bilden. Das macht man so lange, bis der Körper schließlich für die 8.000 Meter bereit ist. Wenn man aus Europa kommt, dann kann man einen niedrigen Achttausender bei günstigem Wetter, guter Gesundheit usw. frühestens nach ungefähr einem Monat besteigen. Da der Everest noch um einiges höher ist – und so die Luft noch mal um einiges dünner - braucht man zum Akklimatisieren etwas länger.

Um in der Zeit der ersten Akklimatisation nicht ständig im langweiligen Basislager herum zu hängen, hat sich Thomas vorher eine Trekkingtour ausgesucht.”

Vielen Dank an Gerfried, der das “langweilige” Basislager wohl schon selbst erlebt hat :)

Thomas heutigen Ruhetag möchte ich wie versprochen nutzen, um noch ein paar Worte zu seiner Vorbereitung zu schreiben:

Seine Kondition trainiert Thomas seit Dezember 2006 mit bis zu 20 Stunden pro Woche. Dieses Pensum hat er seit Februar kontinuierlich gesteigert. Dabei bewegte er sich im so genannten „tief intensiven Ausdauer Bereich“, also unterhalb der „anaeroben Schwelle“. Diese Schwelle wird bei einem sportmedizinischen Leistungstest bestimmt. So kann Thomas beim Training anhand seiner Herzfrequenz sehen, ob er sich im “richtigen” Bereich befindet. Wer sich genauer mit diesem Thema beschäftigen will, bei Wikipedia gibt’s ein paar gute Beiträge dazu.

Dieses Training bestand vor allem aus Skitouren und alpinen Klettertouren (Nordwänden) der Dreitausender des Alpenhauptkamms sowie aus langen Einheiten auf dem Fahrrad Ergometer. Alle vier bis sechs Wochen wurde das Training nach einem neuen Leistungstest angepasst und optimiert. Im Februar und März ging es dann an die Viertausender der Schweiz und des Montblanc.

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Thomas an der Nordwand des Matterhorns

Seit Anfang April sind wir ja nun “live” dabei, während sich Thomas in Nepal akklimatisiert. Dafür absolviert er gerade ein 14-tägiges Trekking mit Gipfelbesteigungen bis 6.300 Meter. Dabei geht es auch darum, den Körper langsam aber sicher an die große Höhe zu gewöhnen.

Gabor hat den Vorgang in einem Kommentar sehr gut beschrieben: “Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck kontinuierlich, allerdings kann sich der Körper bis zu einer Höhe von ~6.000m darauf mehr oder minder einstellen. Hoch steigen und tief schlafen lautet die Devise. Der Körper merkt sich die Sauerstoffarmut und reagiert dann zeitversetzt darauf und ist beim nächsten Anstieg dann besser präpariert.”

Laut der neuesten höhenmedizinischen Forschung liegt diese Zeitverzögerung bei fünf bis sieben Tagen. Dann hat sich der Körper an die vorher erreichte Höhe adaptiert und man kann in dieser Höhe schlafen bzw. am nächsten Tag weiter aufsteigen. Dies gilt vor allem für sehr große Höhen ab 5.500 Meter. Während dessen wird im Körper der Anteil der roten Blutkörperchen erhöht, so dass der Körper mehr Sauerstoff aufnehmen, verwerten und effektiver einsetzen kann.

Am 25. April geht’s dann ins tibetische Basislager - China, 5.200 Meter, Rongbuk Gletscher. Dort wird er eine Woche mit seinen französischen Freunden am Nord-Normalweg verbringen, den er bis 7.500 Meter erkunden will (das ist ja zugleich sein Abstiegsweg).

Dann wird er unter „seine“ Wand gehen und diese bis ca. 8.000 Meter Höhe erkunden (rund 20 Kilometer Anmarsch über einen Gletscher). An einem höchsten, sicheren Punkt wird er ein Notlager aufstellen. Im Beitrag “Der Berg und die Route” steht ja alles über diese unglaubliche Herausforderung.

Die Gipfelbesteigung ist zwischen Mitte Mai und Anfang Juni, also vor Einbruch des Monsuns, geplant und hängt natürlich von der Wetterlage vor Ort ab.  Morgen geht es erstmal sieben Stunden über einen Pass, den Thorung La, auf 5.416 Meter. Laut Karte “the Worlds highest pass” – ich bin schon gespannt auf die nächsten Bilder und Eindrücke – nach so viel Theorie!

Die Verbindung zu Thomas Bubendorfer klappt zum Glück wieder einwandfrei. Insgesamt sechs Emails mit schönen Fotos und interessanten Berichten hat er uns aus der nepalischen Bergwelt geschickt. Los geht’s:

Samstag 09:42 Uhr:
“Gestern für einen ersten Höhenreiz bis 5.400 Meter gestiegen. Basislager Everest wird in dieser Höhe sein. Im Hintergrund die wunderschöne Nordseite der Annapurna II, 7.900 Meter. 10 Grad und starker Wind.”

Sonntag, 14:53 Uhr:
“7.454 Meter Gangapurna, sehr schöner Siebentausender auf dem Weg, da kriegt der Thomas gleich Lust und Pläne für 2008…”

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Wildes Motiv vor dem Siebentausender Gangapurna

Sonntag, 15:01 Uhr:
“Für die Spezialisten für Höhentraining: heute habe ich insgesamt 1.300 Höhenmeter überwunden mit Auf- und Abstiegen, und zwar von 3.500 Meter (Manang) bis 3.450 Meter Thorung Pedi. Mein Durchschnittspuls war 115 Herzfrequenz und ich bin in fünf Stunden (sehr weite Strecke, sicher 15-18 km oder so)  nur 34 Minuten über der so genannten aeroben Schwelle gewesen, Maximalpuls 138.”

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Thomas auf 4.550 Metern – nach sieben Stunden Gehen 

Sonntag, 15:06 UhrÂ
“Diese Kinder gehen jeden Tag von ihrem Heimatort Ngawal, 2.655 Meter, nach Humde, 3.200 Meter, in die Schule und zurück…

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Auf dem Schulweg – Kinder aus Ngawal

Heute von 4.850 Meter abgestiegen ins Tal, bis es morgen wieder auf 4.000 Meter hinauf geht. Es ist erst mein sechster Tag in über 3.000 Meter. Das Schlimmste ist Geduld zu haben, der Körper braucht seine Zeit um die roten Körperchen für die Höhe (EPO, im “Tal” ein Dopingmittel) zu bilden. Heute morgen Ruhepuls in 4.850 Meter zwischen 57 und 59 Herzfrequenz. Das ist noch mindestens 10 Schläge von meinem normalen Ruhepuls im Tal entfernt. (Normaler Ruhepuls des deutschen Durchschnittsbürgers dürfte bei ca. 65 liegen, im Tal). Gruss Thomas”

Sonntag, 15:21 UhrÂ
“Besser als nichts, und gut, dass ich durch jahrelange kalte Duschen abgehärtet bin, aber heute wird es nach sechs Tagen voraussichtlich eine Dusche MIT WARMEM WASSER geben, und ehrlich, bei allem Abenteurertum, das stört mich gar nicht…” – Kann ich gut verstehen, Thomas!

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Katzenwäsche mit eisigem Wasser

Sonntag, 15:23 Uhr
Zu guter Letzt hat Thomas uns heute noch ein Bild seines Teams geschickt. Mit folgendem Kommentar: “Das ist mein Team Sherpa Nima, Porters Sher und Ram. Saukalt  hier draußen in 4.500 Meter um 19 Uhr, finster ist es. Thomas”

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Thomas Wegbegleiter – im Vordergrund Sherpa Nima mit Karte

Mit diesen tollen Bildern und seinen “Tagebucheinträgen” gelingt es Thomas, ein sehr plastisches Bild seiner Vorbereitungen zu vermitteln. Also zumindest bei mir entsteht das Gefühl, selbst ein bisschen “mit dabei” zu sein. Übrigens könnt Ihr auch weiter Fragen an Thomas stellen – egal welche. Er sagt selbst, dass er viele Dinge und alpine Details als “alltäglich” empfindet, die für uns vielleicht spannend und neu sein könnten.

Gerade sprechen wir noch über die erstaunlich gute Verbindung zu Thomas – und schon ist alles ganz anders. Das heutige, sehr kurze, Telefonat bestand vor allem aus vielen verschiedenen Rausch-Varianten, abgerissenen Sätzen und pfeifendem Wind. Dazwischen hörte ich Thomas ziemlich stark atmen und konnte folgende Wortfetzen herausfiltern:

 “… Sind (wieder) auf 4.850 Meter … werden den Gipfel nicht machen… für mich festgestellt, es ist noch zu früh für einen Sechtausender in meiner Akklimatisierungsphase… richte mich nach meiner Herzfrequenz …  Freue mich auf eine warme Dusche…”

Wann und wo er an die Dusche kommt und wie genau der neue Plan für die nächsten Tage aussieht, konnte ich nicht mehr verstehen. Ich hoffe, dass er sich morgen Früh wieder melden kann. Vielleicht ist er ja auch schon auf dem Weg zu seinem Computer, so dass er uns bald per Email die neuesten Informationen zukommen lässt.

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Irgendwo am Chulu Far East ist Thomas immer noch unterwegs